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Optimierung auf der ganzen Linie


18.10.04

RONG>Michael Nied hat das Produktionsprinzip Optimierung wirklich verinnerlicht. Aus den natürlichen Vorgaben das Beste herausholen ist für ihn eine Grundeinstellung. Das merkt man schon, wenn man das Werksgelände im tauberfränkischen Assamstadt betritt.

Eine organisch gewachsene Struktur, kein Reißbrett-Projekt auf der grünen Wiese erwartet einen hier. Genau wie der Platz im Städtchen ist auch die Qualität des Ausgangsmaterials von Natur aus limitiert. Rund 10.000 fm Laubhölzer, überwiegend aus der Region fahren hier jährlich hinein. Das Werk wieder verlassen sollen nur hochwertige Produkte und ein bißchen Asche für die Obstbäume der Nachbarn. Im firmeneigenen Biomassekraftwerk wird schon seit 15 Jahren umweltbewusst Strom und Wärmeenergie produziert. Damals dachte noch kaum einer an Kraft-Wärme-Kopplung im Sägewerk.

Wertschöpfung auf einer breiten Basis
Als kleiner Betrieb mit 22 Mitarbeitern in einem Hochlohnland hat sich die Karl Nied GmbH aber nicht auf eine einzelne Produktschiene spezialisiert, sondern sucht den Erfolg gezielt in der Diversifizierung und in der Erfüllung von speziellen Kundenwünschen.
Früher als reines Sägewerk konzipiert, begannen die Nieds schon in den 70er Jahren damit, Zuschnitte für die Möbelindustrie zu produzieren. Heute gibt es eine dreistufige Angebotspalette: Nur die Top-Qualitäten werden als Schnittholz-Handelsware weiterverkauft, frisch oder getrocknet; Material mit kürzeren Nutzlängen wird zu Möbelteilen weiterverarbeitet und Kurzteile werden zu Stabparkett. Das Streben nach der bestmöglichen Ausnutzung des Rohholzes kann man schon am Rundholzplatz sehen, wo die Stämme sorgfältig eingeteilt werden. Am besten lässt es sich aber an der Konzeption der Zuschnittstraße darstellen:

Auftrennen vor Kappen
Im Gegensatz zu vielen anderen Betrieben der Möbelbranche arbeitet Nied dabei nach dem Prinzip Auftrennen vor Kappen, wie es eher in Amerika angewendet wird. Er folgt damit der Erkenntnis, dass im Holz eigentlich generell das längere Produkt auch das wertvollere ist. Gleichzeitig erstrecken sich die meisten Holzfehler ja nicht über die gesamte Breite eines Brettes. Man erhöht also auch die reine Mengenausbeute, wenn man erst am getrennten Teil auskappt.
Eine Vorkappung erfolgt in Assamstadt nur bei Hölzern, die gekrümmt sind, oder Bereiche stark unterschiedlicher Deckbreite aufweisen. Ansonsten wird die lange Rohware gleich in die jeweils gerade geforderten Breiten aufgetrennt. Hinter der Auftrennsäge läuft die weitere Bearbeitung weitgehend mechanisiert. Vom Anlagenbauer Sicko aus Zaisenhausen stammt der automatische Spreißelabscheider. Dieser erkennt optisch die Gutteile mit scharfen Längskanten ab einer bestimmten Länge und hebt sie hydraulisch auf einen Querförderer. Der Rest fährt gleich weiter zum Hacker. Nach einem Weinig-Vierseithobel kommt die Markierstation, wo ein oder zwei Mitarbeiter bestimmte Kappstellen und - vor allem bei Parkettware- die B-Seite anzeichnen.

Die Optimierungssäge denkt schneller
Das Herzstück der Anlage stellt die Optimiersäge Opti-Cut 150 von Dimter dar. Die nachfolgende Sortierstation mit 18 Abwurfstellen, die meistens auch noch mehrfach belegt sind, will immer präzise versorgt sein! Der Einlauf der Maschine ist hier 2,4 m lang. Bis zu dieser Teilelänge kann eine echte Volloptimierung stattfinden, d.h. das Teil ist vollständig erfasst, bevor der erste Schnitt geführt wird. Bei sehr schmalen Leisten kann es vorkommen, dass auch mal spitzes Holz gekappt werden soll, also Material ohne gerade Stirnflächen. Da tun sich viele Sägen schwer. Die Opti Cut erfasst den Anfang des Werkstücks ebenso wie die Position der Qualitätsmarkierungen mit einem speziellen Messverfahren.

Im Holzwerk Nied bearbeitet man oft eine Vielzahl von Schnittlisten gleichzeitig. Insbesondere bei verschiedenen Breiten ist eine saubere Einteilung manuell in vernünftiger Zeit nicht zu machen. Deswegen wurde auch die Breitenmessung beim Kauf der Säge vor 1,5 Jahren gleich mitgeordert. Die Maschine behält auch bei Querschnitten, die sehr nahe beieinander liegen, immer den Überblick. Als besonderes Feature ist die Opti Cut 150 in der dortigen Ausführung auch in der Lage, variable Längen zu optimieren. Das ist vor allem bei der Produktion von Landhausdielen mit fallender Länge oder Stäben für Massivholzplatten gefragt. Würde der Computer hier immer zuerst die fixen Längen hineinlegen und erst die Reststücke mit den variablen auffüllen, wäre die Ausbeute schon wieder etwas geringer.

Die intelligente Technik der Opti Cut steuert sogar den Abfallschacht: Generell sollen alle Kappreste dort hineinfallen. Aber was passiert, wenn sehr kurze Gutteile produziert werden? Dann schließt sie den Spalt und öffnet ihn erst beim nächsten Abfallstück wieder. Möglich wird das durch eine raffinierte, längenverstellbare Umlenkung des Transportbandes. Eine weitere Problemlösung an dieser Stelle haben die Mannen von Dimter sogar gemeinsam mit Michael Nied entwickelt: Wo sich besonders kurze Abfallstückchen in der Säge verkeilen und den Vorschub blockieren werden die an einer speziell geformten Tischeinlage in kleine Stückchen zerteilt. Der Produktionsablauf wird nicht mehr unterbrochen.

Nutzwertanalyse ist mehr als Preisvergleich
Solche Vorteile spielten bei der Entscheidung für die Opti Cut durchaus eine Rolle, denn:  Billig sind die Maschinen nicht, aber der Gesamtnutzen stimmt einfach, wie Michael Nied das Produkt aus der Weinig-Gruppe gern mit seinen eigenen Erzeugnissen vergleicht: Wir wollen und können auch nicht nur über den Preis verkaufen. Dafür garantieren wir eine Nullfehlerqualität und leisten uns auch den Luxus eines wohlsortierten Lagers. Beim Schnittholz bedeutet das, alle Stärken sind immer als KD-Ware abrufbar und für Parketthändler oder Möbelkunden werden sogar Detaillieferungen teilweise just-in-time direkt ausgeliefert. Als Hersteller vor Ort spielen wir auch mal die Feuerwehr, wenn´s irgendwo ein Spezialproblem gibt  - und das honorieren unsere Kunden auch.


News-ID: 08S4APN323

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