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Waldzustandsbericht: Jahrhundertsommer hinterlässt deutliche Spuren am Wald


18.10.04

RONG>Wie von Experten befürchtet, hat der extrem trockenheiße Jahrhundertsommer 2003 auch heuer deutliche Spuren am Wald hinterlassen: Der Zustand der bayerischen Wälder hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert. Wie Forstminister Josef Miller bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts im Landwirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags in München sagte, hat der Anteil geschädigter Bäume, die mehr als ein Viertel ihrer Blätter bzw. Nadeln verloren haben, um 15 auf 37 Prozent zugenommen. Angestiegen ist auch der durchschnittliche Nadel und Blattverlust er vergrößerte sich über alle Baumarten hinweg um über vier auf 24,6 Prozent.

Trotz der Besorgnis erregenden Ergebnisse sei man heuer aber noch mit einem blauen Auge davongekommen, so der Minister. Denn die kühlfeuchte Witterung in diesem Frühjahr ist dem Wald zu Hilfe gekommen. Auch Waldbesitzer und Forstleute hätten durch die engagierte Bekämpfung des Borkenkäfers Schlimmeres verhindert. Nach Ansicht von Experten werden sich die geschwächten Bäume wieder regenerieren. Welchen Zeitraum sie dafür brauchen, hängt von der künftigen Entwicklung der Witterungsextreme und des Luftschadstoffeintrags ab.

Fachleute machen die außergewöhnliche Trockenheit und Dauerhitze des vergangenen Sommers verantwortlich für den Vitalitätsverlust der Waldbäume. Denn die Laub und Nadelbildung wird maßgeblich von der Witterung des Vorjahres beeinflusst. Geschwächt wurden die Bäume auch durch die von der Dürre begünstigten Massenvermehrungen von Waldschädlingen wie Borkenkäfer oder Schwammspinner. Eine ernstzunehmende Grundbelastung für den Gesundheitszustand des Waldes stellen unverändert Luftschadstoffe wie Stickoxide und Ozon dar.

Dem Waldzustandsbericht zufolge sind vor allem die Laubbäume betroffen. Bei der Buche stieg der Anteil deutlicher Schäden von 25 auf 46 Prozent. Bei der Eiche hatte jeder zweite Baum mehr als ein Viertel seiner Blätter verloren (2003: 18 Prozent). Zurückzuführen ist das vor allem auf den Insektenfraß durch Raupen von Schwamm und Eichenprozessionsspinnern sowie Frostspannern, der an 40 Prozent aller aufgenommenen Eichen zu finden war. Nadelverluste von mehr als einem Viertel zeigten 37 Prozent aller Fichten und 32 Prozent aller Kiefern 2003 waren es 23 bzw. 20 Prozent. Dem Trend entgegen steht allein die tief wurzelnde Tanne, weil sie besser mit dem Wassermangel zurecht kam: Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Schäden nahm von 49 auf 47 Prozent ab.

Nach den Worten des Ministers ist es unverzichtbar, die Wälder weiter zu stabilisieren. Völlig unzulässig ist es nach seinen Worten, die aktuellen Waldzustandsdaten mit der Forstverwaltungsreform zu vermengen: Nur weil wir die Verwaltung reformieren, fällt kein Regentropfen mehr oder weniger vom Himmel. Ein Bürokratieabbau sei gerade jetzt notwendig. Miller: Wir brauchen finanzielle Freiräume für den weiteren Umbau von Nadelwäldern in stabile Mischbestände, die widerstandsfähiger gegenüber Klimaschwankungen, Stürmen und Schädlingen sind. Auch mit dem heuer gestarteten Waldumbauprogramm Klimawandel im Staatswald zieht der Freistaat bereits Konsequenzen und wird neben dem ohnehin laufenden Waldumbau in den nächsten zehn Jahren zusätzlich 10 000 Hektar reine Nadelholz in Mischwälder umwandeln. Miller bekräftigte, dass private Waldbesitzer bei der LaubholzEinbringung weiterhin finanziell unterstützt werden. Revierförster beraten sie auch künftig in Fragen der BorkenkäferBekämpfung und des Waldumbaus. Große Bedeutung misst Miller unverändert der Luftreinhaltepolitik bei. Schadstoffeinträge sowie die Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid und von Stickoxiden müssten dauerhaft verringert werden.

Der jetzt vorgelegte Waldzustandsbericht basiert auf der Kronenzustandserhebung im 8 x 8 KilometerRaster an bayernweit rund 24 200 Bäumen in 554 Waldbeständen. Dazu kommen Untersuchungsergebnisse von 46 Dauerbeobachtungsflächen und Messungen an 22 Waldklimastationen. Für die Gesamtschau wurden unter anderem Daten über Schadstoffemissionen und immissionen, Nährstoffversorgung und Wachstum der Waldbäume sowie Versauerung und Stickstoffbelastung der Waldböden eingearbeitet.

Detaillierte Informationen zum Waldzustandsbericht 2004 können im Internet der Bayerischen Staatsforstverwaltung unter www.forst.bayern.de abgerufen werden.


News-ID: 08V8TVEW3Q

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