Wissenschaftliche Karten über die letzten Urwälder der Erde sowie zu
notwendigen Schutzgebieten in den Weltmeeren hat Greenpeace heute auf der
Konferenz des UN-Übereinkommens über Biologische Vielfalt (CBD) in
Curitiba/Brasilien veröffentlicht.
Die Waldkarten basieren auf
aktuellen, hochauflösenden Satellitenbildern und weltweit einheitlichen
Kriterien. Es sind die bisher genauesten und einzigen Karten der letzten
intakten Wälder. Demnach existieren nur auf weniger als zehn Prozent der
Landfläche der Erde noch intakte Waldlandschaften. Die Meereskarten
veranschaulichen, welche 40 Prozent der Hohen See dringend unter Schutz gestellt
werden müssen, um die marine Artenvielfalt zu erhalten. Die CBD will das
Artensterben bis 2010 "signifikant reduzieren". Greenpeace fordert, ein
weltweites Netzwerk von Schutzgebieten an Land und im Meer einzurichten, um
dieses Ziel zu erreichen.
"Die Karten sind die wissenschaftliche Grundlage für Politiker, um
Schutzgebiete an Land und im Meer einzurichten", sagt Christoph Thies,
Waldexperte von Greenpeace International. "Wenn wir dieses Netzwerk von
Schutzgebieten nicht in den nächsten 20 Jahren auf die Beine stellen, ist ein
Großteil der Tier- und Pflanzenarten für immer verloren."
Nur ein Fünftel der Fläche, auf der nach heutigen klimatischen Bedingungen
Wälder wachsen könnten, sind intakte Waldlandschaften. Das sind weniger als zehn
Prozent der Landfläche der Erde. Vier Fünftel dieser möglichen Waldfläche sind
zerstört, in Plantagen umgewandelt oder durch Straßen, Siedlungen oder
industrielle Aktivitäten in kleine Gebiete zersplittert, die sich über weniger
als 500 Quadratkilometer erstrecken. Viele dieserkleineren Waldgebiete sind
jedoch auch höchst schützenswert. In Europa liegen weniger als drei Prozent
dieser großen unberührten Urwälder, vor allem im europäischen Teil Russlands und
in Finnland.
Deutschland ist mitschuldig an der Zerstörung der Urwälder. Illegal oder
zerstörerisch gefälltes Holz wird fortwährend nach Deutschland importiert.
Greenpeace fordert Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) auf, das noch unter
der rot-grünen Regierung vorgelegte Urwaldschutzgesetz zügig umzusetzen. Es soll
Besitz und Handel von Holz aus illegalem Einschlag verbieten.
Prof. Callum Roberts, ein renommierter Meeresbiologe der Universität York in
Großbritannien, der die Karten zu den Meeresschutzgebieten mit einem 60-köpfigen
Forscherteam erstellt hat, sagt: "Um die Artenvielfalt im Meer zu schützen,
haben wir unter anderem die sehr sensiblen Lebensräume der Tiefsee
berücksichtigt. Diese werden augenblicklich durch die Grundschleppnetz-Fischerei
unwiederbringlich zerstört. Bis Schutzgebiete eingerichtet sind, muss die UN die
Fischerei mit Grundschleppnetzen auf der Hohen See dringend verbieten."
Greenpeace ist derzeit in drei Regionen der Erde aktiv, um den Schutz der
Artenvielfalt einzufordern: im Amazonas-Urwald aus Protest gegen illegale
Abholzung zum Anbau von Soja, mit einer Urwaldschutzstation in Papua-Neuguinea
und mit dem Greenpeace-Schiff Esperanza, das auf einer einjährigen
Meeresschutz-Expedition auch Piratenfischer aufspüren soll.
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