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17. Hanseatischen Sanierungstage des Bundesverbandes Feuchte & Altbausanierung e. V. in Kühlungsborn


11.12.06

Die 17. Hanseatischen Sanierungstage fanden nach fünf Jahren Rostock-Warnemünde am zweiten Novemberwochenende 2006 wieder im Ostseebad Kühlungsborn statt, in dem Ort, in dem die Veranstaltungsreihe im Jahr 1990 ihren Anfang nahm. Die diesjährige Tagung stand unter dem Thema “Messen und Sanieren“ und das sehr breit gefächerte Programm lockte an drei Tagen jeweils über 200 Architekten, Ingenieure, Denkmalpfleger, Naturwissenschaftler, Gutachter sowie Vertreter von Prüfinstituten, Baufirmen und Produktherstellern an die Ostsee.

In sieben verschiedenen Sektionen wurden neben insgesamt 25 Fachvorträgen, eine umfangreiche Präsentation von mehr als 25 Ausstellern sowie eine fachkundig geführte Exkursion in das Weltkulturerbe der Hansestadt Stralsund angeboten.

Sektion I:  Holzschäden – Untersuchungen - Holzschutz
Frau Prof. Dr. Claudia von Laar, Wismar, erläuterte Möglichkeiten und Grenzen von Bohrwiderstandsmessungen bei der Lokalisation und Beurteilung von Schäden an Holzkonstruktionen. Alle Faktoren, die den Verlauf der Bohrkurve und den Bohrwiderstand beeinflussen können, wurden dabei detailliert erklärt.
Herr Ekkehard Flohr, Dessau, ergänzte in seinem Vortrag zur Querschnittsermittlung an geschädigten Hölzern in der Gutachterpraxis Frau von Laars Ausführungen durch weitere Praxisbeispiele.
Herr Dr. Tobias Huckfeld, Hamburg, stellte Laboruntersuchungen vor, mit denen ermittelt werden konnte bis zu welcher Grenze trockenes Holz, von einer nahen Feuchtigkeitsquelle ausgehend, durch verschiedene Pilzmycele bewachsen werden kann. Dabei zeigte sich, dass Pilze, die seltener in Gebäuden auftreten, höhere Ansprüche an die Holzfeuchte stellen.
Herr Jürgen Gänßmantel, Schömberg, erklärte am Beispiel der Fachwerkbauweise die Kriterien des baulichen, physikalischen und chemischen Holzschutzes und erläuterte die Anforderungen an eine ganzheitliche Gebäudezustandsanalyse. Anhand von Negativbeispielen demonstrierte er sehr eindrucksvoll das erhöhte Risiko für Holzschädigungen, wenn der präventive Feuchteschutz nicht ausreichend Beachtung findet.

Sektion II: Innovative Sanierungen
Frau Dr. Brigitte Schmidt, Wietow, stellte innovative thermische und solarenergetische Sanierungen am denkmalgeschützten Gutskomplex Wietow (nahe Wismar gelegen) vor, der das Solarzentrum Meck-lenburg-Vorpommern beherbergt.
Durch die Kombination einer Vielzahl von unterschiedlichen Maßnahmen wie die Integration von Photo-voltaik- und solarthermischen Elementen, transparenter Wärmedämmung und Solarfassaden, sowie die Errichtung eines Glasvorbaus auf der Nord- und Ostfassade konnte die Heizenergiezahl (brutto) von 336 auf 47 kWh/m² verringert werden.
Herr Prof. Dr. Winfried Malorny, Neubrandenburg, erklärte an Hand von fünf Fallbeispielen unterschiedliche Chlorid verursachte Schäden bei mineralischen und metallischen Werkstoffen und erläuterte daran anschaulich die Vorteile von diagnostischen Untersuchungen, die über den chemisch-analytischen Chloridnachweis hinausgehen und Werkstoffanalysen und Gefügeuntersuchungen mit einschließen.

Sektion III: Untersuchen – Messen – Sanieren (Teil 1)
Herr Karsten Leuthold, Markranstädt, erläuterte Prinzip und Vorteile von mobilen 3D-Laser-Scannern zur Bestandserfassung. Durch die Kombination von Pulslaufzeit- und Phasendifferenzmessung ist es der Firma CALLIDUS gelungen, eine sehr hohe Messgenauigkeit bei hoher Messgeschwindigkeit zu erreichen.
Wie stark Messwerte verschiedener marktgängiger Feuchtigkeitsmessverfahren voneinander abweichen, veranschaulichte Herr Prof. Dr. Helmuth Venzmer, Wismar, an Hand einer exemplarischen Untersuchung an einem Kellergeschoss in Wismar. So lagen beispielsweise die Ergebnisse des aktuellen Feuchtegehalts bei einer Messung mit einem sehr häufig von Sachverständigen eingesetzten kleinen elektrischen Feuchtemeßgerät um 64 bis 84 Prozent unterhalb der Werte der gravimetrischen Feuchtigkeitsbestimmung. Weiterhin zeigte er am Beispiel des Schlosses Stavenhagen wie Laser gescannte Aufmasse und Tomogramme zur Feuchtigkeitsverteilung zu TOMOSCANNS kombiniert und somit die Anschaulichkeit der Messergebnisse wesentlich erhöht werden kann.

Frau Dr. Gabriele Patitz, Karlsruhe, stellte an Hand der Untersuchung der katholischen Pfarrkirche „Sankt Alexander und Georg“ in Niedersonthofen das Potential von Radarmessungen zur Beurteilung von Mauerwerksaufbau sowie Feuchte- und Salzverteilung vor. Nachdem mit einem 900 MHz Sender eine vollflächige Untersuchung der Wände zur Beurteilung der Mehrschaligkeit, Ortung von vorhandenen Hohlräumen und Schalenablösungen durchgeführt wurde, erfolgten in einer zweiten Messkampagne mit einem hoch auflösendem 1,5 GHz-Sender an ausgewählten Orten Detailuntersuchungen nach Steineinbindetiefen.

Möglichkeiten und Grenzen der Infrarot-Thermografie zur thermischen Bauabnahme und Diagnostik in der Denkmalpflege, begleitend zu Sanierungen und bei der Qualitätskontrolle von Neubaumaßnahmen wurden von Frau Dr. Katrin Riesner, Wismar, erläutert. Es wurde deutlich, dass für die meisten Anwendungen ein hohes Maß an Messerfahrung, fundierte bauphysikalische und baukonstruktive Kenntnisse sowie eine zeitaufwendige Dokumentation der Messrandbedingungen und der thermischen Vorgeschichte erforderlich sind.

Frau Dr. Sigrid Krause, Rostock, präsentierte die Möglichkeiten der DNA-Diagnostik für die Bausanie-rung. Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) können spezifische DNA-Abschnitte des Genoms von Bauholz- und Schimmelpilzen oder fassadenbesiedelnden Grünalgen vervielfältigt werden und über den Einbau eines zusätzlichen Oligonukleotids (“Sonde“) quantitativ ausgewertet werden. Die Vorteile der Methode liegen dabei in ihrer frei wählbaren Spezifität, Sensivität und Nachweisgeschwindigkeit, sowie hoher Objektivität und Reproduzierbarkeit.

Sektion IV: Untersuchen – Messen – Sanieren (Teil 2)
Herr Prof. Dr. Wolf-Reiner Busch, Wismar, stellte die Prinzipien der verschiedenen Verfahren zur Leckortung von Ver- und Entsorgungsleitungen im Bauwerk vor. Voraussetzungen und Vorzüge von TV-Inspektionen, akustischen und elektrischen Verfahren, Korrelationsmessverfahren und Prüfverfah-ren mit Tracer- oder Rauchgas, Thermografie und Endoskopie wurden detailliert erläutert und durch Sanierungslösungen ergänzt.

Herr Dr. Christian Simlinger, Wien, berichtete über ein Forschungsprojekt, in dem die Dauerhaftigkeit von modifizierten Kalkputzsystemen an konkreten Objekten mit unterschiedlicher Feuchte- und Schadsalzbelastung untersucht wurde. Wichtige Erkenntnisse waren dabei die wesentliche Beeinflussung der Porenstruktur durch die Aufbringungsmethode (von Hand/maschinell) sowie die große Streuung der Festigkeitswerte in Abhängigkeit des Untergrunds und der Umgebungsbedingungen.

Herr Dr. Klaus-Peter Berger, Potsdam, erläuterte verschiedene von der Firma Texplor entwickelte und patentierte Verfahren zur Leckortung im Hoch- und Tiefbau, die auf der Messung von Eigenschaftsänderungen künstlich erzeugter elektrischer Felder beruhen. Anhand von Praxisbeispielen demonstrierte er überzeugend, wie Undichtigkeiten in Dächern und Weißen oder Schwarzen Wannen bei vertretbarem Aufwand schnell und ortsaufgelöst detektiert werden können.

Danach griff Herr Dr. Ralph Ruhnau, Berlin, mit seinem Vortrag “Bestands- und Schadensaufnahme sowie Dokumentation mit Hilfe moderner Verfahren“ unter anderem noch einmal das Thema Laserscan-Verfahren auf. Er verwies insbesondere auf die große Datenmenge, die beim 3-D-Scanning erzeugt wird, und die nur durch eine vorausschauende und zielgerichtete Bestandsaufnahme (Wahl von Bildausschnitt und Rasterweite) sowie den Einsatz kompetenter, erfahrener Bearbeiter auf ein handhabbares Maß reduziert werden kann.

Herr Prof. Dr. Horst Stopp, Cottbus, beleuchtete Messprinzip und Einsatzmöglichkeiten der Lambda-Nadelsonde für bauwerksdiagnostische Untersuchungen. Über die Messung des Wärmeentzugs einer Heizquelle mit zeitlich konstanter Quellstärke durch die unmittelbare Umgebung kann die Wärmeleitfähigkeit von einsteckbaren Materialien und losen Schüttstoffen zeit- und ortsabhängig in situ erfasst werden. Werden entsprechende Einmessungen vorgenommen, lässt sich das Messprinzip auch zur Stofffeuchteerfassung einsetzen.

Herr Dr. Andreas Hasenstab, Berlin, war der letzte Referent des langen und intensiven Veranstaltungstages. Thema seines Vortrages war das Potential von leistungsstarker, niederfrequenter Ultraschall-Echotechnik für die Materialuntersuchung von Holz- und Betonbauteilen. Der große Vorteil der Echotechnik ist, dass im Gegensatz zur Durchschallung nur eine Bauteilseite zugänglich sein muss. Erste Untersuchungen von Holzkonstruktionen haben sehr gute Ergebnisse gezeigt. Aufgrund der In-homogenität des Baustoffs (Holzart, individuell unterschiedliches Wachstum, Kern-/Splintholz ) sind für eine systematische Anwendung in der Praxis weitere Untersuchungen erforderlich.

Sektion V: Aus der Baupraxis (Teil 1)
Herr Prof. Dr. Rainer Hohmann, Dortmund, zeigte an ausgewählten Beispielen verschiedene Möglichkeiten, wie erforderliche Dehnfugen zwischen wasserundurchlässigen Bauwerken aus Beton und bestehenden Gebäuden fachgerecht abgedichtet werden können. Er betonte dabei nachdrücklich, dass es sich bei der Abdichtung der Anschlussfugen immer um objektspezifische Maßnahmen handelt, die hinsichtlich Werkstoff, Dimensionierung, Aufbau und Ausführung exakt auf die spezifischen Gegebenheiten vor Ort abgestimmt sein müssen.

Herr Detlef Krause, Groß Belitz, erläuterte in seinem mit zahlreichen Praxisbeispielen und Verweisen auf Normen und Technische Regeln illu-striertem Vortrag die notwendigen Anforderungen an Materialwahl sowie konstruktiven und chemischen Holzschutz, um konstruktive Vollholzprodukte im Außenbe-reich dauerhaft vor Zerstörung zu schützen. Er warnte eindringlich davor, beim Studium von Werbebroschüren der Hersteller, das Kleingedruckte nicht zu überlesen.

Grundbauliche Sanierungen durch Verfestigungs-, Abdichtungs- oder Hebungsinjektionen im Boden waren Thema des Vortrages von Herrn Prof. Dr. Carsten Schlötzer aus Detmold. Er beschrieb die für die unterschiedlichen Maßnahmen erforderlichen Eigenschaften an die Injektionsmittel bzw. -mischungen sowie die Anforderungen an das Qualitätsmanagement bei der Ausführung der Arbeiten. Anhand einer in Berlin durchgeführten Hebungsinjektion eines Hochhausturms konnte er eindrucksvoll zeigen, wie leistungsfähig diese Verfahren sind.

Da die Fähigkeit des Betons zum dauerhaften Korrosionsschutz der Bewehrung bis in die 70er Jahre hinein unterschätzt wurde, müssen an zahlreichen Stahlbetonbrücken Sanierungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Herr Joachim Stenzel, Arnstein, gab Hinweise zu Planung und Durchführung dieser Instandsetzungsmaßnahmen und zeigte, dass die hierbei kombiniert auftretenden baustofftechnischen, konstruktiven und bauphysikalischen Probleme Spezialkenntnisse von Planern und Ausführenden sowie eine spezielle Maschinentechnik voraussetzen.

Sektion VI: Aus der Baupraxis (Teil 2)
Die letzte Vortragssektion startete Herr Prof. Axel C. Rahn, Berlin, mit einem Bericht über die Generalinstandsetzung des Bodemuseums. Nach einem kurzen Exkurs zur spannenden Planungs- und Baugeschichte des Museums erläuterte Herr Prof. Rahn die von seinem Ingenieurbüro durchgeführten bauphysikalischen Untersuchungen zur Bauwerksabdichtung, zur Neukonzeption der Glasdachräume und zur wärmeschutztechnischen Beurteilung der Gebäudehülle. An Hand ausgewählter Wärmebrückenberechnungen wurde vergleichend aufgezeigt, welche Möglichkeiten Wärmebrückenprogramme neuester Generation bieten.

Herr Dr. Anton Pech, Wien, hatte ebenfalls ein sehr interessantes Projekt vorzustellen und zwar die „Sanierung des Habsburgersaales der Franzensburg in Laxenburg bei Wien“. Auf der Grundlage von Vermessungsarbeiten, Materialuntersuchungen und Klimadaten wurden gezielt Sanierungsmaßnahmen für den durch Feuchtigkeit und Salze stark geschädigten Mosaikfußboden erarbeitet. Der sehr eingeschränkte Arbeitsraum in den Fußbodengewölben erforderte viel Erfindungsgeist bei Behandlung des Gewölbemauerwerkes mit einem hydrophobierenden Injektionsmittel.

Herr Friedrich Prem, Wien, erörterte die überarbeitete ÖNORM B 3355, in der im Teil 1 erstmalig einzelne Arbeitspakete der Mauerwerkstrockenlegung und deren Zuordnung zu den Projektphasen abge-bildet ist. Bei den Arbeitspaketen: Zustandserhebung einschließlich Sanierungskonzept, Sanierungsdetailplanung, Überwachung der Ausführung und Kontrolle der Wirksamkeit handelt es sich nicht um ausführende, sondern um geistige Leistungen, die vor, während und nach der Sanierungsmaßnahme erbracht werden und als Grundlage für Managemententscheidungen dienen.

Abschließend berichtete Herr Ulrich Langen, Düsseldorf, in seinem Vortrag mit dem Titel “Vermessen, Verplant, Verpfuscht“ von den Sanierungserfahrungen einer Berufshaftpflichtversicherung. Aufgrund unterschiedlicher Schadensbilder und -ursachen sind die Anforderungen und damit auch die Fehleran-fälligkeiten bei Sanierungen deutlich höher als bei Neubauten. Herr Langen wies auf die hohen Voraussetzungen an Fachwissen, Aufklärung, Beratung und Vorbereitung hin und erwähnte die damit verbundenen juristischen Fallstricke. Ausführlich beantwortete er die zahlreichen Fragen des Auditoriums.

Sektion VII: Exkursion nach Stralsund
Schlusspunkt der Veranstaltung bildete eine Exkursion in das Weltkulturerbe der Hansestadt Stralsund, die fachmännisch von Frau Dr. Ursula Markfort geführt wurde. 30 Teilnehmer ließen sich von dem stürmischen Regenwetter nicht einschüchtern und nahmen den Abstecher nach Vorpommern in Kauf.

Vom historischen Stadtbild „en miniature“ im Wulflamhaus über die historische Nikolaikirche, die noch im Baustellenzustand befindliche Jacobikirche, das im gotischen Stiel erbaute Rathaus und weitere historische  Bauten aus  der wechselreichen Geschichte Stralsunds führte der sehr interessante Rundgang.



News-ID: 08M2FVZKD7

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