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Deutsche Forst- und Holzwirtschaft begrüßen Charta für Holz


05.09.04

Spitzenverbände Deutscher Forstwirtschaftsrat und Deutscher Holzwirtschaftsrat fordern Bundesregierung zu rascher Umsetzung der Initiative auf Öffentliche Hand soll Holzverwendung bei Bauvorhaben deutlich steigern.

Die Bekanntgabe einer Initiative für eine Verstärkte Holznutzung zugunsten von Klima, Lebensqualität, Innovationen und Arbeitsplätzen (Charta für Holz) durch Bundesverbraucherschutzministerin Renate KÜNAST am Freitag, den 3. September 2004 in Bonn wird von den Dachorganisationen der Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland, dem Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) und dem Deutschen Holz-wirtschaftsrat (DHWR), als vorbildlicher Schritt begrüßt. DFWR-Präsident Hermann ILAENDER und DHWR-Vorsitzender Dr. Wilhelm VORHER werten das klare Bekenntnis der Bundesregierung zum Rohstoff Holz als richtungsweisend für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Gleichzeitig betonen sie aber auch die Überfälligkeit der Holzcharta. Eine deutliche Steigerung der Verwendung des Roh-, Bau-, Werk- und Brennstoffes Holz sei nicht nur ökologisch konsequent, sondern ebenso zur wirt-schaftlichen Stärkung der ländlichen Räume dringend angezeigt. Die beiden Spitzenverbände fordern, dass nun den Worten schnell Taten folgen. Bund und Länder, allgemein die öffentliche Hand, sollen bei der Holzverwendung mit gutem Beispiel voran gehen und Rahmenbedingungen schaffen, unter denen Forst und Holz ihr Potential entfalten können.

GEMEINSAMES STATEMENT DFWR-Präsident Hermann ILAENDER und DHWR-Vorsitzender Dr. Wilhelm VORHER zur CHARTA FÜR HOLZ:

Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland begrüßen nachdrücklich die Initiative für eine Verstärkte Holznutzung zugunsten von Klima, Lebensqualität, Innovationen und Arbeitsplätzen (Charta für Holz) durch Verbraucherschutzministerin Renate KÜNAST. Knapp zwei Jahre, nachdem das Vorhaben erstmals, noch abstrakt, in den Koalitionsvereinbarungen der rot-grünen Bundesregierung auftauchte, werden nun die Konturen erkennbar. Wir teilen Ministerin KÜNASTs Einschätzung: Die in Deutschland seit 200 Jahren praktizierte nachhaltige Waldbewirtschaftung und die damit verbundene Nutzung von Holz stellen keinen Widerspruch zum Umweltschutzgedanken dar. Im Gegenteil: Sie helfen, Umwelt- und Klimaprobleme zu lösen, denn anders als Öl oder Erdgas wächst Holz immer wieder nach und bindet CO2. So kommt Holz im Kampf gegen den Klimawandel eine herausragende Bedeutung zu.

Die Dachverbände der Forst- und Holzbranche in Deutschland sehen mit der Initiative Charta für Holz auch ihren langen Atem für diese Sache bestätigt. Die Entwicklung der Idee zu diesem Konzept wurde maßgeblich durch unser Engagement mit gestaltet. Wir freuen uns auch, dass eine deutsche Bundesregierung damit erstmals ihr Bekenntnis zum Rohstoff Holz eindeutig dokumentiert und sich an einem ehrgeizigen Ziel messen lassen will, nämlich die heimische Holzverwendung zu steigern. Eine Erhöhung des jährlichen Pro-Kopf-Verbrauchs von Holz und Holzerzeugnissen um 20 Prozent von derzeit 1,1 m3 auf 1,3 m3 wird allerdings nicht alleine durch Ankündigung, sondern nur durch große gemeinsame Anstrengungen zu erreichen sein. Forst- und Holzwirtschaft in Deutschland werden sich gemeinsam mit der Bundesregierung und den am Prozess der Holzcharta beteiligten gesellschaftlichen Gruppen bemühen, diese Messlatte nicht zu verfehlen.

Gewichtige Argumente sprechen für eine Steigerung der Verwendung des Roh-, Bau-, Werk- und Brennstoffes Holz. Holz wird im Wald, der größten Umweltproduktionsstätte, nachhaltig erzeugt. Was kaum jemand weiß: Nur zwei Drittel des jährlichen Holzzuwachses werden derzeit im Wald tatsächlich geerntet. Der Holzvorrat in den deutschen Wäldern nimmt dadurch von Jahr zu Jahr um sage und schreibe 20 Millionen m3 zu. Heimisches Holz ist demnach, anders als fossile Bau- und Brennstoffe, reichlich vorhanden. Es ist in seinem Aufkommen verlässlich kalkulierbar und preislich für den Verbraucher berechenbar.

Auf kurzen Transportwegen wird Holz als Rohstoff der Sägeindustrie, der Holzwerkstoffindustrie sowie der Zellstoff- und Papierindustrie, für die chemische Industrie oder als Brennstoff zur Verfügung gestellt. Der Energieaufwand (Ökobilanz), der hierbei für die Erzeugung von Holzprodukten anfällt, ist geringer als bei jedem anderen Material. Nicht zu vergessen, dass vom Holzabsatz und seiner Verarbeitung vorrangig der ländliche Raum profitiert, wo die Erzeugung und Weiterverarbeitung von Holz überdurchschnittlich vertreten ist. Dahinter stehen mehr Arbeitsplätze, als man gemeinhin erwartet. Deutschlandweit sind es über eine Million Beschäftigte in der Forst- und Holzwirtschaft. Zudem werden allein in der Holzwirtschaft 46.000 Ausbildungsplätze bereitgestellt. Die Wertschöpfung der deutschen Forst- und Holzwirtschaft beläuft sich jährlich auf über 100 Milliarden Euro und macht damit immerhin drei Prozent des inländischen Bruttosozialproduktes aus. So hat die Holzcharta neben der ökologischen also auch eine erhebliche ökonomische und soziale Dimension die drei gleichwertigen Säulen der Nachhaltigkeit!

Der Erfolg der Charta für Holz wird sich nicht am Bekenntnis der Bundesregierung, sondern letztlich alleine an der Erreichung des formulierten Ziels der Steigerung des Pro-Kopf-Holzverbrauchs um 20 Prozent innerhalb der nächsten 10 Jahre messen lassen müssen. Hierzu bedürfen die vorgegebenen Teilziele einer weiteren Konkretisierung. So soll die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion beim Einsatz von Holz, vor allem bei Bauvorhaben, wesentlich stärker als bisher gerecht werden. Gerade der Bund muss die in der Holzcharta formulierten Absichten durch zukunftsweisende Bauprojekte vorbildlich umsetzen. Für öffentliche Bauträger erhoffen wir einen Kodex, der die Ökobilanz zum wichtigen Entscheidungskriterium bei der Wahl der Baustoffe erhebt. Dies wäre eine Möglichkeit, dem Nachhaltigkeitsprinzip noch mehr Geltung zu verschaffen.

Wir erwarten darüber hinaus vom Bund einen höheren finanziellen Einsatz für die Verbesserung des Holzabsatzes sowie für Forschung und Innovation. Damit würde in eine zukunftsfähige, umweltgerechte Branche investiert. Auch ungerechtfertigte Hemmnisse für den Holzeinsatz in Bauvorschriften müssen schleunigst fallen. Dabei sind ebenso die Länder und Kommunen aufgerufen, sich zu beteiligen.

An Ministerin KÜNAST appellieren wir, die Rahmenbedingungen für Forst- und Holz-wirtschaft insgesamt im Auge zu behalten. Der Effekt der Holzcharta wäre schnell neutralisiert, wenn weitere Beschränkungen für die Waldbewirtschaftung Platz griffen - zum Beispiel über die geplante Novellierung des Bundeswaldgesetzes. Ebenso müssen wettbewerbsverzerrende Regelungen im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarländern beseitigt werden, die einer höheren Holzverwendung entgegenste-hen. Hier ist insbesondere eine Angleichung der Transportbedingungen vordringlich (LKW-Frachtgewichte, etc.). Wir erwarten eine klare Linie und eine verlässliche Politik für den Ökorohstoff Holz, für eine wettbewerbsfähige Forst- und Holzwirtschaft und damit für wirtschaftliches Wachstum und Arbeitsplätze im ländlichen Raum in Deutschland.



News-ID: 08Q2QP8PDN

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