Während es in den vergangenen zehn Jahren der deutschen Bauwirtschaft insgesamt sehr schlecht ging, hat ein Zweig stetig Marktanteile dazugewinnen können: der Holzbau. Sein Marktanteil bei Ein- und Zweifamilienhäusern ist in Deutschland im vergangenen Jahr auf rund 15 Prozent gestiegen. Auch im mehrgeschossigen Bau nimmt der Anteil der Holzbauweise rapide zu, allerdings auf niedriger Basis. Die Tatsache, dass inzwischen in Deutschland, im Gegensatz zu vielen anderen Ländern, fünfgeschossige Häuser in Holzbauweise errichtet werden dürfen, zeigt, dass sich auch in diesem Zweig der Holzwirtschaft der technische Fortschritt beschleunigt hat. Wer sich davon ein Bild machen will, sollte die LIGNA+ HANNOVER 2007 vom 14. bis 18. Mai in Hannover nicht versäumen. Die Vorzüge des Holzbaus beschränken sich keineswegs mehr allein auf niedrige Preise, kurze Bauzeiten und ökologische Aspekte. Vielmehr sind Häuser in Holzbauweise energiesparend, besser gegen Erdbeben geschützt, absolut stabil auch bei hohen Belastungen sowie besser gegen Feuer geschützt als Beton-Gebäude. Jedermann weiß, dass Holz brennt, aber kaum jemand weiß, dass Beton weniger hitzebeständig ist als gut verarbeitetes Holz.
Ein aktuelles Symbol für den Fortschritt im Holzbau ist das Olympische Dorf bei Turin. Es nutzt die traditionellen Vorzüge des Holzbaus voll aus und setzt zugleich neue, zukunftsorientierte Maßstäbe. Das in 1 700 Meter Höhe gebaute Olympische Dorf hat auch bei großen Schneemassen keine statischen Probleme. Der Festigkeit des Bauwerkes entspricht die Qualität der technischen Ausstattung und des Innenausbaus. Die 87 Häuser mit 205 Wohnungseinheiten zu je 100 qm kosteten 25 Millionen Euro. Die Anlage wird jetzt, nach dem Ende der Winterspiele 2006, als Vier-Sterne-Hotel betrieben.
Das Olympische Dorf erinnert mit seiner modularen Struktur noch daran, dass der Holzbau seine Stärken und seine großen Marktanteile bisher vor allem beim Ein- und Zweifamilienhaus hatte. Doch dem ist keineswegs so: Holz ist auch im Objektbau und im mehrgeschossigen Bau ein immer häufiger genutzter Baustoff. Ein herausragendes Beispiel dafür ist eines der größten Bürogebäude Nordeuropas, das in der Nähe von Helsinki mit einer Brutto-Geschossfläche von 13 000 qm und einer nutzbaren Bürofläche von 6 000 qm im Herbst 2005 gebaut wurde.
Weitere sowohl in technischer als auch in ästhetischer Hinsicht wegweisende Beispiele für den konstruktiven Holzbau sind aus neuerer Zeit der Elefantenpark im Zoologischen Garten Köln, die Fachschule Memmingen, das Studentenwohnheim Burse in Wuppertal und die Neue Messe Karlsruhe. Große Möglichkeiten für den Holzbau liegen aber nicht nur im Neubau, sondern auch im Erweiterungsbau und in der Sanierung des Altbestandes. Das Studentenwohnheim Burse in Wuppertal ist dafür ein hervorragendes Beispiel: Der 1976 erbaute Betonklotz mit 320 Wohneinheiten war nach rund 25 Jahren in einem Zustand, dass er kaum mehr vermietbar war. Die Architekten ließen die nicht tragenden vorgehängten Fassaden entfernen, sodass nur noch die Betonschotten übrig blieben. Die wesentliche Erneuerung neben der neuen Infrastruktur des Gebäudes und der Einrichtung neuer Wohnungen mit Duschbad und Küchenzeile bildet eine vorgehängte Außenfassade in Holzbauweise. Sie besteht aus vorgefertigten, zwölf Meter langen und geschosshohen Fassadenelementen in Holzrahmenbauweise, die bereits werkseitig mit Fenstern und außen mit hinterlüfteten Faserzementplatten bestückt wurden. Der erste Bauabschnitt wurde im Niedrigenergie-Standard ausgeführt mit 18 cm Dämmung in den Holzfassadenelementen. Der zweite Bauabschnitt erreicht mit erhöhter Dämmung, mit optimierten Fenstern und mit Wärmerückgewinnung sogar Passivhaus-Standard.
In diesem Objekt sind geradezu vorbildlich die verschiedenen technischen Fortschritte im Holzbau zusammengefasst: die Kombination des Holzbaus mit anderen Materialien, hier mit der Betonstruktur des Gebäudes, anderswo mit Glas, die hervorragende Energiedämmung und nicht sichtbar und kaum hörbar der verbesserte Schallschutz. Die Holzbauweise eignet sich aber nicht nur zur Sanierung von Betonfassaden, sondern auch zur Aufstockung von Flachdachgebäuden, zur Gebäudeerweiterung in allen Variationen und zum Materialmix (Hybridgebäude) beim Bauen im Bestand. Der Verbund mit Beton wird nicht nur bei der Sanierung von Plattenbauten, sondern auch bei Neubauten verstärkt genutzt. Von den 38 Millionen Wohnungen in Deutschland gelten etwa zwei Drittel als sanierungsbedürftig, vor allem was die Wärmedämmung und die Heizungsanlagen betrifft, aber auch im Zuschnitt der Räume. Nach wie vor ist der Gebäudebestand die größte Dreckschleuder, die Deutschland zu bieten hat, sagt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Zimmermeister, Ullrich Huth, und plädiert angesichts veränderter Wohnbedürfnisse, steigender Energiepreise und endlicher Ressourcen für den Ausbau und die Modernisierung bestehender Gebäude.
Die 10 350 Zimmererbetriebe in Deutschland mit ihren 59 000 Mitarbeitern setzten im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Euro um und erwarten für dieses Jahr, nach der Umsatzdelle im vergangenen Jahr, wieder eine Umsatzsteigerung. Heinrich Cordes, Vorsitzender des Verbandes Niedersächsischer Zimmermeister, erläutert dazu, dass trotz des lange anhaltenden Winters im ersten Quartal dieses Jahres eine deutliche Belebung des Geschäfts festzustellen sei. Die Zimmerer hoffen, dass der Konjunktur-Frühling nach dem langen Winter umso intensiver werde. Cordes, der beim Deutschen Holzbautag Ende April in Nürnberg zum Ehrenvorsitzenden des Bundes Deutscher Zimmermeister ernannt wurde, wies darauf hin, dass das Zimmererhandwerk zu den konstruktiven Berufen gehöre, das heißt, es errichte wie das Maurer- und Stahlbetonbauerhandwerk komplette Bauwerke. Er fügte hinzu: Die Holzbaubetriebe verarbeiten den nachwachsenden ökologischen und umweltfreundlichen Baustoff Holz. Im Holzbau steht darüber hinaus eine Fülle neuer Baustoffe und Bauteile zur Verfügung.
Tatsächlich ist der Holzbau eines der innovativsten Segmente der Holzwirtschaft: Ob Massivholzbau, Skelettbau, Holzrahmenbau inklusive Holztafelbau oder Zellbau (kastenartige Balken- und Flächenelemente) die Statik, der Brandschutz und der Schallschutz haben im Holzbau einen Standard erreicht, der das Niveau anderer Baustoffe übersteigt, zumindest aber erreicht. Beim Wärmeschutz setzt der Holzbau inzwischen die Maßstäbe. Möglich geworden ist dies durch die Qualitätsverbesserung bei allen im Holzbau verwendeten Materialien. Grundvoraussetzung für die Qualität sind allerdings eine gute Verarbeitung und eine genaue Prüfung der eingesetzten Materialien, vor allem was das Holz betrifft. Die exakte Messung der Holzfeuchtigkeit, die Sortierung und Holztrocknung über das ganze Sortiment hinweg sowie die Aufbereitung des Materials Zuschnitt, Verleimung, Keilzinkung etc. sind die Basis für hohe Qualität.
Diese Basis wird gelegt mit den Maschinen und Anlagen der Holzbearbeitung und mit den Geräten zur Messung und Kontrolle des Baustoffes Holz und der Steuerung der Produktionsprozesse. Die Technologie dazu ist ein Schwerpunkt der LIGNA+ HANNOVER 2007, der Weltmesse für die Forst- und Holzwirtschaft. Alle Holzbauer ob Zimmerer oder Fertighaus-Hersteller erhalten auf der LIGNA+ HANNOVER 2007 ein breites und umfassendes Angebot von Maschinen und Anlagen für die Holztrocknung, den Zuschnitt und die Produktion von Massivholz sowie für die Aufbereitung des Holzes für den Zimmermann (Abbundanlagen). Darüber hinaus bietet die LIGNA+ HANNOVER 2007 Informationen rund um den Holzbau und natürlich auch den Baustoff Holz.
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