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Greenpeace Studie: WTO verhandelt Urwälder weg


12.12.05

Der von der Welthandelsorganisation (WTO) geplante erleichterte Marktzugang für Industriegüter fördert die Zerstörung der  Urwälder. Notwendige Urwaldschutzmaßnahmen wie Einfuhrverbote von Holz aus  Urwaldzerstörung  oder  die  Kennzeichnung  von Öko-Holz widersprechen zudem  laut  WTO  dem  Freihandel. Das ist das Ergebnis der Studie 'Trading away  the ancient forests" (Die Urwälder weg ver-handeln?), die Greenpeace in  Hongkong veröffentlicht hat. Holz gehört zu den Industriegütern, über  deren  Handelsliberalisierung  Vertreter  aus  149  Ländern  auf  der sechsten  WTO-Ministerkonferenz vom 13.-18. Dezember in Hongkong verhandeln werden.

"Urwälder, Holz  und  Holzprodukte gehören nicht auf den Verhandlungstisch der WTO", fordert Martin Kaiser, Waldexperte von Greenpeace. "Sonst landen unsere  letzten  Urwälder  noch  restlos  auf  der Welthandelsflotte." Laut Welternährungsorganisation FAO gehen pro Jahr nach aktuellen Zahlen über 13 Millionen  Hektar Urwald verloren. Das entspricht der Fläche Griechenlands. Der  grenzüberschreitende  Holzhandel  hat  einen  Wert  von 200 Milliarden US-Dollar jährlich.

Bisher ging es in der WTO vor allem um die Handelsliberalisierung von landwirtschaftlichen  Produkten  und  Dienstleistungen.  Jetzt will die WTO unter dem  Stichwort  NAMA (non-agricultural market access) auch Verhandlungen darüber führen, wie Industriegüter, zum Beispiel Holzprodukte, leichter exportiert und importiert werden können.

Für die WTO ist dabei ein Schrank aus Holz, bei dessen Einschlag Urwälder zerstört  wurden, das gleiche  wie ein Schrank aus Öko-Holz. Wer Öko-Holz bevorzugt, verzerrt laut WTO den freien Wettbewerb. Ein Staat, der aus ökologischen  Gründen die Einfuhr von Urwaldholz verbieten oder bei öffentlichen Bauten nur Holz mit dem Öko-Siegel FSC verwenden möchte, riskiert einen Streit mit der WTO. Allein die Drohung mit einem WTO-Streitfall schreckt viele Regierunge vorUrwaldschutz ab, da Strafzölle in Millionenhöhe drohen können.

Ein  Beispiel:  Die  Bundesregierung  hat  ein  von Greenpeace angestoßenes Urwaldschutzgesetz  vorgelegt.  Danach sollen der Besitz und der Handel mit Holz aus illegalen Quellen und aus Urwaldzerstörung strafbar werden. Auch aus  Sorge  vor  Handelssanktionen  bleibt  die  Umsetzung  bisher  auf der Strecke.

"Regierungen müssen das Recht haben, die Urwaldkrise zu bremsen, indem sie ihre Grenzen für illegal gefälltes Holz oder Holz aus Urwaldzerstörung schließen", sagt Martin Kaiser. "Denn nur wenn den Holzkonzernen der lukrative Absatzmarkt versperrt wird, können die Wälder aufatmen und die Waldbesitzer in Deutschland lachen." Denn die Importe aus Raubbau sind vielfach günstiger als Holz aus ökologischer und sozial gerechter Waldnutzung.

Die  Greenpeace-Studie  zeigt,  dass  die  fortschreitende Urwaldzerstörung Menschen heimatlos macht und in die Armut treibt. Aber auch aus wirtschaftlicher Sicht ist der angestrebte WTO-Freihandel für Holzprodukte langfristig nicht sinnvoll. Denn wenn die Zerstörung der Urwälder so weiter geht, gibt es in der nächsten Generation nur noch minderwertiges Plantagenholz.



News-ID: 08U7L4JPHP

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